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Grand Chavalard + Grande Dent de Morcles
G-Tour, Samstag-Sonntag 05.-06. September 2020

1. Tag
(LK 1305)
Pünktlich um 6.30 Uhr begrüsst Stefan Suter, unser Tourenleiter, 4 Frauen und 7 Männer auf dem Viehmarktplatz Grosshöchstetten.

Es wird ein sonniger, warmer Tag.

Abfahrt 6.35 Uhr mit drei PW‘s Richtung Bern > Fribourg > Vevey > Aigle > Fully.

Ab Fully (460m) geht es dem Wegweiser Euloz, Buitonnaz folgend aufwärts. Dank Navi der erste Adrenalinstoss, als es uns ab einer recht breiten Nebenstrasse auf einen kleinen, steilen, mit Spitzkehren durchzogenen Fahrweg leitet. Unsere Chauffeure und Autos sind gefordert. Dann erleichtertes Aufatmen, wir stossen unterhalb Chiboz wieder auf die normale Nebenstrasse und fahren auf dieser weiter bis zum Parkplatz L‘Erie (1856m).

So, jetzt aussteigen, Rucksack anschnallen und los geht’s auf einem breiten Höhenweg Richtung Lac de Fully, mit Blick ins Rhonetal. Nach einer dreiviertel Stunde auf 2121m zweigt es vom rot-weissen Bergweg rechts ab auf einen blau-weiss markierten Weg, steil im Zick Zack bis zu den vielen Lawinenverbauungen. Neun von diesen müssen wir durch Schlupflöcher, die extra für Berggänger gemacht sind, passieren.

Die erste Rast auf 2400m, den gröbsten Durst und Hunger stillen.

Dem Südgrat entlang gehen wir, auf Schotter und Fels, zum Gipfel Grand Chavalard auf 2899m.ü.M. Ankunft kurz vor 12.00 Uhr.

Soo schöön, diese Aussicht, rechts der Mont Blanc, links das Weisshorn, dazwischen unzählige Gipfel, zudem der Blick bis zu den Dörfern, wie z.B. Martigny im Talboden. Einfach herrlich!

Eine halbstündige Mittags- und Genusspause ist angesagt, bevor wir über den gleichen Weg absteigen. Etwas unterhalb des Gipfels können wir noch vier Gänsegeier auf Nahrungssuche beobachten. Nach einem problemlosen Herunterkommen auf 2121m, kommt der rot-weisse Bergweg, der uns gemütlich weiterführt, am Lac Supérieur de Fully vorbei, zum Nachtlager Cabane Fenestral (2453m), etwas unterhalb des Col de Fenestral. Ankunft kurz nach 16.00 Uhr.

Freundlich ist der Empfang des heutigen Chefs. Die Hütte gehört dem Skiclub Chavalard und wird von Freiwilligen betrieben. Eine siebenköpfige Crew serviert uns zu etwas fortgeschrittener Stunde ein einfaches, gutes Essen.

Dankbar für das Erlebte an diesem Prachtstag, gehen wir früh ins Bett, alle voller Spannung auf den nächsten Tag.
Alice Gugger

2. Tag
(LK 1305)
Nach der Tagwache blieb die Hüttenküche lange im Dunkeln. Trotzdem kam das Frühstück mit duftender Züpfe rechtzeitig auf den Tisch! Um halb acht starteten wir frohgemut in einen kühlen Morgen, präsentierte sich unser heutiges Gipfelziel doch bereits im Sonnenlicht. Im Gegensatz dazu der Grand Chavalard, der sich in dichten Wolken versteckte. Schon bald beäugten uns aus der Ferne zwei Gruppen Steinböcke.

Nach den ersten 400 Höhenmetern erreichten wir den langgezogenen Felseinschnitt, von dem uns Stefan erzählte. Bei seiner früheren Begehung hatte ihm die Überquerung einige Mühe bereitet. Dank einer ca. 6m-mächtigen Altschneemasse war die Traversierung in diesem Jahr ein Kinderspiel! Kurz darauf folgte die erste eigentliche Schlüsselstelle. Ein schmaler Felsspalt erforderte von uns einen kräftigen Aufschwung. Dank unseren sportlichen Figuren blieb keines und keiner stecken; viel hätte zwar im Einzelfall dazu nicht gefehlt. Nun waren über eine längere Strecke Arme und Beine gefragt. Gelbe Marker in kurzen Abständen, zusätzlich zu den blau-weissen Markierungen, waren in dem unübersichtlichen Felsgelände eine grosse Hilfe. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir glücklich den Gipfel des Grande Dent de Morcles auf 2969 m.ü.M.

Wie schon gestern blieben die Berner Alpen hinter einem Wolkenband und auch der Lac Leman blieb unsichtbar. Doch die Rundsicht auf die näher liegenden bizarren Zacken, und auch auf den Mont Blanc, war überwältigend. Fast bedrohlich wirkte die mächtige Felswand über den kümmerlichen Resten des Glacier des Martinets. Die Sonne und wenig Wind erlaubten uns trotz 5° Celsius eine längere Rast.

Der Abstieg erfolgte vorerst über die Aufstiegsspur. Er erforderte nochmals unsere ganze Konzentration. Beim Gipfelkreuz, wenig über dem Col de Fenestral, sahen wir ein letztes Mal auf die Unterkunft der letzten Nacht zurück. Etwas unterhalb des Passes genossen wir eine frühe Mittagsrast, umgeben von einer eindrücklichen Felskulisse.

Die nächste Abstiegspartie führte uns zur abflusslosen Schwemmebene Euloi und dann über eine Geländekuppe zum Pkt. 1957 Lui d‘ Août. Zu guter Letzt marschierten wir an der Ostseite des Grand Chavalard Massivs, ohne grosses auf und ab, eineinhalb Stunden durch einen lockeren Lärchenwald. Gegen 14 Uhr erreichten wir bei L’Erie unsere Fahrzeuge. Damit hatten wir auch gleichzeitig die ganze Umrundung des Grand Chavalard abgeschlossen!

Nun lagen vor unseren Fahrern noch 1330 Höhenmeter äusserst anspruchsvolle Fahrt bis zum Talboden der Rhone, gespickt mit vielen Haarnadelkurven. Im sonnigen Garten des Relais des Chasseurs im Weiler Chiboz genossen wir noch einen Zwischenhalt und liessen das erlebnisreiche Wochenende ausklingen.

Herzlichen Dank Stefan für Vorbereitung und Durchführung dieser Tour! Du verstehst es, uns in Gegenden zu führen, wo unsere G-Qualitäten gefragt sind: G/Geländegängigkeit und G/Genussfreude an einer überwältigenden Bergwelt! Ein besonderer Dank gilt auch unseren Fahrern Paul, Robert und Stefan. Sie nahmen es auf sich, auch nach einer langen Tour, uns sicher über den langen Rückweg zu chauffieren.
Peter Freiburghaus


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