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Bergwanderung Augstbordpass-Schwarzhorn
G-Tour, Samstag 31. August - Sonntag 01. September 2019

Tag 1
Acht Männer und eine Frau treffen sich am Samstagmorgen auf dem Bahnhof Grosshöchstetten um gemeinsam ins Wallis zu fahren. In Thun treffen noch Elisabeth und Stefan Suter zu uns und in Visp noch Ruth Oberer. In Turtmann erwartet uns ein zu kleiner Bus, trotz Voranmeldung durch unseren Tourenleiter Robert Meerstetter. Doch die Emmentaler SAC-Gruppe findet Platz, die übrigen Reisenden müssen warten. Das Postauto führt uns nach Ergisch auf 1086 Meter über Meer, ein kleines ruhiges Dorf am Eingang des Turtmanntals. Laut Information eines Mitreisenden leben in Ergisch ca. 200 Einwohner. Die Gemeinde lebt gut von den Zinsen der Wasserkraft, was ersichtlich ist an den hübschen Häusern und den mit Verbundsteinen gepflasterten Strassen. Es gibt aber keinen Laden und keine Schule mehr. Arbeitsplätze gibt es auch praktisch keine, die meisten finden Arbeit im Tal oder in der „Üsserschwyz“. Daneben werden Schwarznasenschafe und Ehringerkühe gehalten.
Im Restaurant Obermatt in Ergisch gibt es zuerst einen Kaffeehalt. Um 10.30 Uhr beginnen wir unsere Genusswanderung mit einem kurzen Aufstieg bei angenehmen Temperaturen und schönem Wetter. Anschliessend wandern wir überwiegend im Schatten des Waldes leicht ansteigend entlang einer Suone, die leider grösstenteils kein Wasser führt, durch das wildromantische Turtmanntal. Die Turtmänna, die diesem Tal den Namen gibt, verläuft tief im Tal, ihr Rauschen begleitet uns. Nach ca. 1 ¼ Stunden überqueren wir den Fluss und wir können das Ausmass der Verwüstung durch die  gewaltigen Murgänge von 2017 sehen. Viel grobes Geröll und Holz liegt noch heute im Bachbett. Unterwegs auf Follutschugge auf einer Anhöhe steht die kleine Kapelle Vollenstein, dort rasten wir für den Mittagshalt. Per Zufall befindet sich dort ein Wanderer mit seiner Partnerin, den Robert schon beim Rekognoszieren dieser Tour getroffen hat. Dieser erzählt uns Interessantes über das Tal, zum Beispiel dass es einen hundertjährigen Streit gab, zu welcher Gemeinde das Turtmanntal mit den einträglichen Wasserrechten gehört. Die Wasserkraftzinsen wurden während dieser Zeit auf ein Sperrkonto einbezahlt. Erst vor einigen Jahren wurde eine Einigung erzielt und das Geld konnte auf die Gemeinden verteilt werden. Heute gibt es weder in Oberems, noch in Unterems, noch in Ergisch eine Schule. Alle Kinder werden entweder mit der Luftseilbahn oder einem Schulbus ins Tal nach Turtmann geführt.
Ein plötzliches Donnergrollen erschreckt uns und wir schauen besorgt zum Himmel hinauf. Doch alles Fehlalarm, die dunklen Wolken verflüchtigen sich wieder.
Unsere Wanderung geht weiter leicht ansteigend durch grüne Bergwiesen in einer idyllischen Landschaft. Um 15.15 Uhr erreichen wir unser heutiges Ziel, das altehrwürdige Hotel Schwarzhorn in Gruben-Meiden auf 1822 M. Wir löschen den Durst auf der geschützten Terrasse, da in diesem Moment ein kurzer Regenschauer fällt. Kurz darauf scheint wieder die Sonne, so dass die einen die freie Zeit bis zum Apéro mit sünnele verbringen, andere benützen die Zeit für die Erkundung der Umgebung. Pünktlich zum Apéro trifft auch Astrid in Gruben ein, nun ist unsere Gruppe komplett mit 13 Personen. In gediegener Atmosphäre wird uns ein feines Nachtessen serviert, das leider von einer Gruppe Amerikaner mit ihrem lauten Geschwätz etwas gestört wird. Nach einem letzten Umtrunk beziehen wir unser Schlafgemach zuoberst im vierten Stock des Hotels.
Kathrin Schär

Tag 2, Augstbordpass 2892m und Schwarzhorn 3200m
Das mit dem Doppelzimmer für Paul und Daniel hat nicht ganz geklappt, denn das Zimmer zu dem wir den Schlüssel bekamen, entpuppte sich als 9er Massenlager. Immerhin war hier die Matratzenbreite 70 cm im Unterschied zur Leutschachhütte, wo diese nur 50 cm betrug. Das war wirklich eine grosse Komfortsteigerung.
Noch ohne viel zu reden haben wir ab 06:00 unser Frühstück im Hotel Schwarzhorn gegessen. Um 06:50 starteten wir zu unserem ersten Tagesziel, dem Augstbordpass (2892 m). Der Augstbordpass bildet den Übergang vom Turtmanntal ins Mattertal.
Die Sicht war gut und mit den wenigen Wolken zeigte sich ein schwaches Morgenrot. Im Schatten und bei kühler Temperatur nahmen wir den ersten Zickzack Aufstieg unter die Füsse. Uns begleitete der rätschende Eichelhäher. Im lichten Wald suchte er sich seinen Wintervorrat an Arvennüssen zusammen. Nach der Baumgrenze verflachte sich der Weg über Alpweiden, und die Sonne empfing uns ab 08:30. Vor dem letzten steileren Aufstieg zum Pass durch Geröll und Blöcke gönnten wir uns noch eine kurze Pause. Sorgenvoll schauten wir zum Himmel, weil von nun an die Bewölkung zunahm. Mit der Überwindung von fast 1200 Höhenmetern ab Gruben erreichten wir den Augstbordpass um 10:00. Während der Pause wurde das Wetterapp abgerufen. Der prognostizierte Regen schien sich glücklicherweise auf später zu verschieben und so entschlossen wir uns, das Schwarzhorn zu besteigen.
Der erste Teil nach dem Pass war relativ flach, aber dennoch gab es etliche grosse Steine und Blöcke zu durchsteigen. Der letzte Teil (T4) zum Schwarzhorn (3200 m)  ist schroff, schlecht markiert und verläuft über Geröll und weiter oben über und zwischen grossen Blöcken. Um 11:30 erreichten wir verschwitzt den Gipfel des Schwarzhorns. Die Aussicht hier oben vom Gipfel ist grandios. Leider machten uns die Wolken einen Strich durch die Rechnung und wir konnten nicht die ganze Pracht der Wallisseralpen sehen. Es war aber dennoch interessant wie die Wolken z.B. das Nadelhorn fast wie spielerisch freigaben und später wieder bedeckten.
Nach einer nicht zu langen Rast nahmen wir den Abstieg unter die Füsse. Abwärts waren die Wegspuren besser erkennbar und wir kamen mit flottem Tempo vorwärts. So erreichten wir den Augstbordpass doch bereits wieder um 12:30. Hier schauten wieder alle zum Himmel, denn es setzte leichter Nieselregen ein. Hierauf versah Niklaus seinen Rucksack mit dem Regenschutz und wir glaubten alle fest daran, dass dies Petrus sah und uns folglich vom Regen verschonte!
Der dritte Teil der Wanderung begann mit dem Abstieg ins „Inners Tälli“. Links und rechts waren die Bergflanken mit Geröll und Felsblöcken bedeckt, weiter unten begannen dann die Alpweiden. Der Fels gab an verschiedenen Stellen Marmor frei und weiter unten begleitete uns das Rauschen des Bachs. Nach und nach verzogen sich die Wolken und die Sonne kam wieder zum Vorschein.
Um zur Luftseilbahn in Jungen zu gelangen, nahmen wir weiter unten im Tal die Abzweigung in südlicher Richtung und mussten nun feststellen, dass nochmals ein Aufstieg von etwa 100 m zu bewältigen war. Vor diesem Aufstieg machten wir eine letzte Pause, um uns zu stärken. Dieser Aufstieg war glücklicherweise nicht steil und als wir den höchsten Punkt erreichten, sahen wir eine komplett andere Landschaft, nämlich das Mattertal. Die Aussicht vom Höhenweg rund um den „Twära“ war fantastisch. Was man leider auch sah, war die Zersiedelung der Landschaft und alle die Eingriffe der Menschen im Talgrund. In der Luft aber gab es noch Natur pur, denn weit oben zog ein Adler seine Kreise. Aber auch die Pfiffe der Murmeltiere waren zu hören.
Über der Baumgrenze genossen wir beim folgenden Abstieg die Sonne, dann ging es durch ein lichtes, schönes Arvenwäldchen abwärts. Es folgte dann eine Spitzkehre zum „Undri Läger“, anschliessend gingen wir am Alpenblumenweg von Jungen vorbei. Der Wanderweg zur Bergstation (1970 m) der Luftseilbahn Jungen-St. Niklaus führte uns nicht durch das Dorf Jungen, dafür aber an einem kleinen See vorbei. Wir erreichten die Station um 15:45
Leider hat die Bahn nur eine Kapazität von 4 Personen, das hiess, für 13 Personen mussten 4 Fahrten von etwa 10 Minuten berücksichtigt werden. Als sich einige unserer Leute an der Front schlau machen wollten, wurden sie von einer wartenden, resoluten Dame in die Schranken gewiesen, sich doch tunlichst hinten in die Kolonne einzureihen.
Um die Wartezeit zu verkürzen, kam Stefan auf die gute Idee, im nahe gelegenen Restaurant Glacen zu kaufen.
Die vier Fahrten verliefen dann für uns ohne weitere Zwischenfälle und um 16:55 waren dann alle wieder glücklich vereint beim Bier im Hotel Monte Rosa. Zu einer Coupe reichte es leider nicht mehr, denn wir mussten am Bahnhof St. Niklaus den Zug um 17:13 erreichen. Beim Bahnhof regnete es dann noch kurz, aber das störte uns nicht mehr. Da der Zug verspätet eintraf, mussten wir um den Anschluss in Visp bangen. Nach einem Spurt in Visp sehnten wir uns nach einem klimatisierten Wagen nach Thun, doch wir wurden enttäuscht, denn die Klimaanlage in unserem reservierten Wagen funktionierte nicht. Beim Umsteigen in Thun konnten wir dann unsere leicht erhöhte Körpertemperatur abkühlen.
Um 19:04 verabschiedeten wir uns am Bahnhof Grosshöchstetten bei Regen. Wir sahen auf eine sehr schöne, aber auch anspruchsvolle und anstrengende Tour zurück.
Herzlichen Dank an Robert Meerstetter für die Organisation und die kompetent geführte Wanderung.
Daniel Moser


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