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Alpinwanderungen Hasliberg-Melchsee
G-Tour, Samstag 17. - Sonntag 18. August 2019

Tag 1
Am frühen Morgen treffen sich 10 erwartungsvolle „ G-Touren Wanderer“ auf dem Bahnhof in Konolfingen. Die Reise führt uns über Bern – Thun – Interlaken – Meiringen nach Planplatten (2250m) auf dem Hasliberg. Bis auf einen kleinen Zwischenfall von Bern nach Thun verlief alles wie geplant.
Zum Zwischenfall: Wir lassen uns auf Grund einer unkorrekten Durchsage gut gelaunt im Zugabteil der 1.Klasse nieder. Eine jüngere Frau mit Rucksack, Wanderschuhen und Sonnenbrille meinte: „Was habt ihr denn hier zu suchen, im 1.Klassabteil ist Ruhezone, herrscht Handyverbot, und für Gruppenreisende sind keine Plätze vorgesehen. Geht in's obere Zugabteil, wenn ihr unbedingt sprechen müsst!“ (Oh je, CH – Mentalität?) Sprachlos verziehen wir uns in's obere Stockwerk, und steigen wenig später in Thun in die, für uns angebrachte, 2.Klassabteilung um.
Nach einer kleinen Stärkung im Alpen Tower auf Planplatten nehmen wir um 10.00 Uhr den Weg Richtung Rothorn unter die Füsse. Auf guten Wanderwegen gelangen wir bei angenehmen Temperaturen zum Rothorngrat. Ab hier werde ich aus meinem gedankenverlorenen Tramp heraus gerissen. Die Ueberschreitung des Grates (T 4) verlangt volle Konzentration und grosse Aufmerksamkeit. Um die Mittagszeit erreichen wir den Rothorngipfel (2525 m) und werden mit einem überwältigenden Rundblick für die vorangegangenen Adrenalinschübe entschädigt.
Zufrieden, und bereits viel mutiger, kraxeln wir über den Rothorngrat zurück zum Balmeregghorn (2255m). Hier „scheiden sich die Geister“. Die Hälfte der Gruppe begibt sich zur Talstation Distelboden, und schwebt mit der Gondelbahn zum Hotel Bonistock (2170m), unserem Uebernachtungsort, hinauf. Die Anderen marschieren zum Taubensee hinunter und erreichen über einen schräg aufsteigenden Pfad Richtung Chringen, 2 Std. später, ebenfalls das Ziel.
Frisch geduscht (Duschen waren en masse vorhanden), schlüpfen wir nach einem herrlichen Nachtessen müde und zufrieden unter die Bettdecke.
Der 1. Tag war ein voller Erfolg, der Zweite folgt sogleich.
Paul Emden hat, wie immer, hervorragende Arbeit geleistet. Herzlichen Dank im Namen der ganzen Gruppe!
Eliane Gassmann

Tag 2 Bonistock - Barglen
Am Samstagabend war die ganze Gruppe mit besten Wetteraussichten für den Sonntag im Berghotel Bonistock in den verdienten Schlaf gesunken. Und hat Petrus hat Wort gehalten. Nach der Tagwacht um 6 Uhr 30 entdecken wir einen strahlend blauen Himmel. Ein verheissungsvoller Tag für unsere heutige Alpinwanderung steht uns bevor.
Nach dem Morgenessen ist die ganze Gruppe, nach Programm und erwartungsvoll, auf der Hotelterrasse bereit. Dabei schweift der Blick gegenüber auf das gestern bestiegene Rothorn, das sich im warmen Morgenlicht über dem Melchsee erhebt. Tourenleiter Paul Emden ist froh bereits um 7 Uhr 20 zum Aufbruch blasen zu können, denn ein langer Tag steht uns bevor.
Zuerst geht es mehr oder weniger flach um den Tannenschild herum zum Übergang Chringen. Von dort steigt der Bergweg über Schafweiden dem Hohmad entgegen, immer mehr oder weniger dem Grat entlang, der das Tal mit dem Tannensee gegen NW abschliesst. Nach dem Hohmad rasten wir auf 2'440 m ein erstes Mal. Gegen NO, am Ende des langen Grates, sehen wir bereits unser Ziel, den Gipfel Barglen oder auch Schiben genannt. Paul heisst uns die Wanderstöcke auf den Rucksack zu binden, denn im nächsten Abschnitt sind zum Vorwärtskommen auch die Hände gefragt. Die Wegmarkierung hat auf blauweiss «alpin» gewechselt. Effektive geht es sofort nach der Rast über einen schmalen Felsgrat steil hinunter in einen ersten Einschnitt. Vorsichtig klettert einer nach dem andern die felsige Partie hinab, wahrscheinlich die meisten mit Blick auf dir Füsse und ohne gross in die Tiefe zu schauen. Weiter geht es auf und ab um den Chli Hohmad herum. Wir queren mehrere Felsbänder, um abschliessend über ein Schotterfeld auf die Barglenchäle zu gelangen. Die schwierigen und ausgesetzten Stellen dieses Wegabschnittes sind mehrheitlich mit Seilen gesichert. Nach Meinung der fachkundigen anwesenden Tourenleiter ist dieser Abschnitt mit T4+ zu bewerten.
Weiter geht es, zuerst über eine steilere Felspartie, dann über steinige Hänge dem Gipfel entgegen. Um 11 Uhr 15 erreicht auch der Schreiberling, nach knapp 4 Stunden, als letzter den Gipfel auf 2'670 m.ü.M. Bei traumhaften Wetterverhältnissen, kein Wind und angenehme Temperaturen, wird gerastet und die Aussicht genossen. Vom Titlis im Osten, geht der Blick über die Wendenstöcke, den Triftgletscher zu den Berneralpen mit dem Finsteraarhorn als Höchstem. Gegen Westen sind in der Ferne der Niesen, der Grat mit dem Brienzerrothorn, der Hohgant und die Schrattenfluh zu sehen.
Nach ausgiebiger Rast verlassen wir kurz vor dem Mittag den Gipfel, um auf gleichem Weg wieder abzusteigen. Die schwierigeren Felsparteien erscheinen bei der zweiten Begehung etwas einfacher, vor allem weil die meisten im Aufstieg gemeistert werden können. Nach knapp 3 Stunden sind wir zurück bei unserem Berghotel Bonistock. Alle gönnen sich einen wohlverdienten Trunk, das zurückgelassene Gepäck wird wieder im Rucksack verstaut und mit Paul wird abgerechnet.
Um 15 Uhr 30 nehmen wir das letzte Wegstück hinunter zur Station Melchsee-Frutt in Angriff. Von dort geht es bequem mit der Seilbahn hinunter auf die Stöckalp, wo auch schon das Postauto wartet, um uns durch das Melchtal nach Sarnen zu führen. Die Bahn bringt uns anschliessend über Luzern zurück zu den Autos nach Konolfingen, wo wir gemäss Fahrplan kurz nach 19 Uhr eintreffen. Vor der Ankunft bedankt sich Klaus Bühler als G-Tourenchef und im Namen der ganzen Gruppe bei Paul für die schönen zwei Tage. Eine kleine Wehmut klingt dabei mit, denn wir durften Paul Emden auf seiner letzten Tour als Leiter begleiten.

Lieber Paul, auch von meiner Seite einen ganz speziellen Dank für die schöne Tour in eine, mir noch unbekannte Gegend, aber auch für alle die vergangenen Touren beim SAC, die ich unter Deiner kundigen Leitung erleben durfte. Viele schöne und teilweise ganz spezielle Erinnerungen werden mir bleiben.

Zum Schluss meines Berichtes die technischen Daten des Tages:
Länge 10.90 km, Auf-/ Abstiege 927 m/ 1’161 m, effektive Wanderzeit 6 h 45 min
Jacques Blumer

 


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