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Tourenwoche Greina Alta
G-Tour, Sonntag 14. bis Donnerstag 18. Juli 2019

Tag 1
Erstklassig! So startete unser Greina-Trekking: Tourenleiter Chlous Bühler überraschte uns 17 Teilnehmende (6 Frauen und 11 Männer) dank eines betriebsinternen Missverständnisses mit einer 1.Klass-Fahrt in der Matterhorn-Gotthard-Bahn von Brig nach Andermatt. Auf der Weiterfahrt über den Oberalp-Pass nach Disentis fielen uns die neuen Lift-Anlagen der SKI-ARENA Andermatt-Sedrun, sowie das veränderte Ortsbild von Andermatt auf. Anschliessend fuhr uns das Postauto nach Curaglia, von wo aus wir den knapp 4stündigen Hüttenweg in die gemütliche Medelserhütte unter die Füsse nahmen.
Auch da: Erstklassig! Chlous‘ Marschtempo, der erste Apero noch bei Sonnenschein auf der Hüttenterrasse, das feine Essen des aufmerksamen Hüttenwart-Teams rund um Petra und Thomas Meyer und die köstlichen Digestifs aus dem Bündnerland. Draussen aber zog schlechtes Wetter auf.
Beat Ritschard

Tag 2
So langsam krochen die offiziell verheirateten Paare, die inoffiziellen Paare und die «Singles» aus ihren Schlaflagern. Um 7.30 stärkten sich auch die letzten beim Z`Morge. Aber das Wetter spielte für die beiden Tourenvorhaben des heutigen Tages, Piz la Boura 2678m und Piz Ault 2470m, nicht mit. Da blieb uns nichts anderes übrig, als paar Jässe zu klopfen und wir, als zuständige Apérogruppe, den Wein bereits jetzt zu degustieren. Bloss konnten wir uns bei so viel Zeit nicht so schnell entscheiden. Kein Problem: Paul entwarf ein mathematisch ausgeklügeltes Punktesystem und sofort stand ein absolut gerechter Entscheid fest. Resultat: den Gleichen wie gestern.
So, auf geht`s! Um halb 12 bereit sein für die Impro-tour, die Hans bei strubem Regen- und leichtem Schneewetter rekognosziert hatte. Nein, doch nicht, es regnet wieder. Am Trockenen picnicten wir im schönen Panoramaraum und machten uns gleich danach auf zum Lai Encarden 2515m, ca. ½ Stunde weg von der Hütte. Von diesem See, der unterirdisch gespiesen wird, bezieht die Hütte ihr Wasser. Deshalb unterliessen wir das Baden; und natürlich nicht wegen des Eis und Schnees, die noch im See schwammen. Um noch etwas Aussicht geniessen zu könnten, stiegen wir zum nahen Gipfel Mix Dix auf 2588m hoch, wo uns die Sonne kurz mit paar Strahlen wärmte. Zwischendurch zeigten sich sogar die eigentlich geplanten Gipfel. Auf dem Rückweg zur Hütte auf der Fuorcla da Lavaz übten wir by the way im steilen Schneefeld abzusteigen. Bis zum Apéro, heute halt am Schärme, wurde wieder gespielt und ausgeruht. Eine Frauengruppe lieferte sich harte Kämpfe bei Eile mit Weile. Wieder war die Hütte fast voll und der Maisgratin fein, obwohl wir ein Stück Fleisch dazu schon gegessen hätten. Fleissig wurden die feinen Schnäpse gekostet, die schon bald nach Spiel und Spass zu gutem Einschlafen verhalfen; denn für den morgigen Tag war schönes Wetter angesagt und für die Hüttenwechseltour wollten wir doch alle fit sein.
Elisabeth Suter

Tag 3: Von der Camona zur Capanna
Der neue Tag empfing uns mit strahlendem Sonnenschein. Lediglich die Talböden weit unten lagen noch unter dem Morgennebel. Freudig erwarteten wir um acht Uhr den angesagten Start zur„Königsetappe“ über die ganze Länge der Greina-Hochebene.
Für Markus begann aber der Tag mit einer unerwarteten Aufregung. Seine Wanderstöcke waren unauffindbar. Das Mysterium sollte sich im Lauf des Tages noch klären. Er konnte die Verschollenen nach 36 Std. wieder in Empfang nehmen.
Nach dem nur kurz verzögerten Abmarsch von der Camona da Medel erwartete uns der Abstieg über ein respekteinflössendes, steiles Schneefeld und die Querung eines wilden Wassers, hinunter bis auf ca. 2200 m.ü.M. Klaus fand immer eine ideale Spur, auch über den schneebedeckten Lauf des jungen Rein da Vigliuts.
Während den folgenden 3 Std. ging es, kurzärmlig und schweisstreibend, auf dem schneebedeckten Lavaz-Gletscher bergan. Ein heftiger Steinschlag, vom rechten Felsgrat herunter, erinnerte uns wieder einmal an die permanenten Naturgefahren, die uns in den Bergen begleiten.
Kurz vor Mittag erreichten wir die Fuorgla Sura da Lavaz auf 2703 m und damit erstmals die Grenze GR/TI. Nach einer Stunde Abstieg über grosse Blöcke genossen wir die Mittagsrast, mit Blick auf den Greina-Pass und die eindrückliche alpine Tundra-Hochebene.
Nicht daran zu denken, dass wenig gefehlt hat, dass in der Camona-Schlucht eine 80m hohe Staumauer einen riesigen Speichersee gebildet hätte. Der mäandernde Rein da Sumvitg, und die einmaligen Hochmoore, mit ihrer seltenen Biotopenvielfalt, wären für immer verloren gewesen!
Anfang der 80er Jahre formierte sich in der Bevölkerung heftiger Widerstand, der 1984 in einer Volksinitiative gipfelte. Ein jahrelanger politischer Hick-Hack führte schlussendlich 1992 zum „Gesetz zur Rettung der Gewässer“, welches auch der Greina zu Gute kam!
Bei der Traversierung des Brenno della Greina erlebte Doris ihren kleinen Tages-Schreck. Ausgerechnet der geliehene Wanderstock sollte ihr entgleiten und sich nur um den Preis triefender Schuhe und Socken retten lassen!
Bald war der Greine-Pass auf 2357 m erreicht. Nun konnten wir die Greina auf ihrer ganzen Länge und Schönheit auf einem recht gleichmässigen Pfad geniessen. Der blau-weiss markierte Weg führte uns der südlichen Hangseite entlang. Schneebedeckte und apere Flächen wechselten sich ab. Unter dem Eindruck der überwältigenden Natur wurde kaum ein Wort gesprochen.
Um 15.30 Uhr erreichten wir Crap la Crusch auf 2268 m. Gemäss dem Wegweiser sollten uns lediglich noch ¾ Std. vom Tagesziel trennen. Daraus wurde aber fast das Doppelte. Die ersehnte Hütte der Sezione Ticino wollte und wollte nicht auftauchen. Immer wieder verhinderte ein weiterer Hügel die erlösende Sicht. Vorwitzige Murmeltiere verkürzten die Zeit. Dann, nach 6 Std. reiner Wanderzeit, erreichten wir die Capanna Motterascio auf 2172 m.
Nach einem ersten kühlen Trunk waren die beiden Dachräume im alten Teil rasch bezogen. In Umgehung der lockenden Dusche machten sich die meisten nach alter SAC-Sitte frisch und waren rechtzeitig bereit für den Apéro. Den weissen Merlot genossen wir auf der breiten Sonnenterrasse, mit Blick auf den gleissenden Lago di Luzzone, im Rücken der 2006 angebaute, kupferverkleidete Turmtrakt unserer Unterkunft.
In Abwechslung zum vegetarischen Abendessen des Vortages kam anschliessend der Schweinsragout mit Reis und reichlich Salat besonders gut an.
Nach dem langen Tourentag hielten alle gern den Beginn der vorgegebenen Nachtruhe ein. Nur wenigen war es vergönnt - Dank dem Drang ihrer Blase – gegen Mitternacht die parzielle Mondfinsternis zu erleben. Die liegende Mondsichel am klaren Sternenhimmel, knapp über dem Horizont, war ein berührendes Naturerlebnis an diesem erfüllten Tag!
Peter Freiburghaus

Tag 4: Piz Terri
Geplante Route:
Capanna Motterascio CAS 2171m, zuerst gleich hinter der Hütte ostwärts den blau-weiss-markierten Weg steil den Grashang hinauf, über ein kleines Felsband, das möglicherweise umgangen werden könnte, später dem durchgehend sichtbaren und markierten Weg durch Felsen und Gestein folgend bis auf ca. 2500m dem Beginn der Schneefelder. Dann die Schneefelder querend bis auf «Ebene» zwischen Piz Terri und Pizzo di Güida auf 2740m. Die eigentliche Besteigung des Piz Terri beginnt dann mit einem sachten Aufstieg ostwärts bis auf 2800m. Nach einer Spitzkehre führt eine Rampe auf den Grat auf 2900m. Dann ca. 500m dem Grat folgend 250 m aufsteigen zum Piz Terri 3149m. Die Abstiegsroute verlässt diejenige des Aufstiegs auf der «Ebene» am Fuss des Piz Terri. Der Abstieg zum Laghet la Greina führt ab Pt 2699 ostwärts und umrundet drei Felspartien und führt dann auf das Delta des Bachs. Dem westlichen Ufer folgend, dann das Val Canal querend direkt auf die Hochebene auf 2200m zu. Durch Piano della Greina, vorbei an Crap la Crusch, über die Alpe di Motterascio zur Capanna Motterascio zurück. ↔ 13km, ↑↓ 1100m.
Realisierte Route:
Wie die geplante Route aber ohne Piz Terri. Auf der «Ebene» entsprach das Wetter nicht mehr unseren Vorstellungen und versprach ab ca. 15:30 Regen. Deshalb haben wir die Besteigung des Piz Terri für eine spätere Tourenwoche aufgespart. ↔ 11.5km, ↑↓ 700m.
Highlights:
Um 07:59 vor der Hütte unmittelbar vor dem Abmarsch war alles besser als erwartet: der Himmel wolkenlos, die Gruppe komplett, Markus mit zwei eigenen Stöcken, …
Der steile Aufstieg im Gras war für die Aufmerksamen unter uns ein Hochschweben im Bergfrühling. Wie ein Schmetterling liessen diese ihre Blicke von Blüte zu Blüte vom Primeli zum Männertreu und dann zum Veilchen gleiten. Das Ende dieser Pracht läuteten dann die kleinen Alpenglöcken, die Soldanellen ein.
Die Schneefelder wurden immer grösser und steiler. Beim letzten Grossen im Aufstieg legte Chlous mit hartem Pickel- und Schuhnaseneinsatz eine bequeme, leicht ansteigende Spur in den Schnee. Diese Vorstufe zur Rolltreppe liess uns Nachfolgende aber vergessen, dass ein, wegen möglicher Mitreissunfälle, bedeutend grösser Abstand als auf dem Original notwendig gewesen wäre.
Während wir konzentriert das grosse Schneefeld traversierten, entging unserer Aufmerksamkeit die Verdunkelung des Himmels. Oben auf der «Ebene» auf 2740m nach 2 Stunde und 12 Minuten angekommen, mussten wir realisieren, dass das Wetter inzwischen die Wetterprognose eingeholt hatte. Sollte es so weitergehen, würde es um ca. 15:30 regnen.
In Anbetracht der Wettersituation verzichtete Chlous auf höhere Ziele und führte uns nach einer Pause um 10:30 geschickt und von den meisten unbemerkt in einer U-förmigen Schlaufe über Schneefelder um Hindernisse herum zum Greina-See hinunter. Dieser war noch zu 30% mit Eis bedeckt, welches seinem Zustand entsprechend, uns überraschende optische Strukturen erkennen liess.
Zum letzten Mal durchwanderten wir noch einmal die wunderschöne Plaun la Greina. Einzig die Überquerung eines Bachs verlangte das Letzte von uns. Die Geschädigten mögen sich vor Augen halten, dass es sich bei dieser Kontamination der Schuhe und Socken lediglich um Greinawasser in Trinkwasserqualität handelte.
Die letzte Pause beginnt um 14:24 beim Crap la Crusch, dem flachen Übergang von der Greina-Hochebene, von der einzigartig unberührten Landschaft zur Alpe di Motterascio, in die Vorstufe der Zivilisation. Der Luftdruck falle massiv. Diese Mitteilung von Hans erleichterte den Abschied vom Crap la Crusch erheblich.
Exakt um 15:30 erreichen wir die Capanna Motterascio und exakt um diese Zeit fallen die ersten Regentropfen. Exakt, präzise, punktgenau, vorausschauend, vorausdenkend und einzigartig sind die Attribute dieser Tour. Chlous – vielen Dank!
Robert Meerstetter

Tag 5: Motterascio-Hütte 2171 m – Lago di Luzzone 1606 m – Campo Blenio 1200 m, dann Rückreise
Es freut mich, über unseren letzten Tourentag berichten zu dürfen, eine Aufgabe, die ich fast freiwillig übernehme…
Kurz vor 6 Uhr begebe ich mich in den Waschraum, wo ich bereits emsiges Treiben antreffe. Um 06:30h ist das Frühstück angesagt damit wir um halb acht Uhr abmarschieren können.
Das Wetter ist besser als vorausgesagt.
Ein steiler Abstieg von rund tausend Höhenmetern steht uns bevor. Um 07:25h geht’s los. Niklaus Bühler führt den „Tatzelwurm“ der Wanderfreudigen an und Hans Thierstein sorgt am Schluss der Gruppe, dass niemand auf der Strecke bleibt.
Bereits eine Stunde später haben unsere Knie und Beine die gröbsten Strapazen überstanden und wir finden uns rund 500 Meter tiefer auf 1660 m.
Nun folgt ein sehr angenehmer Teil unserer heutigen Wanderung. Ich fühle mich wie auf einem „Morgenspaziergang“. Er führt entlang dem Luzzone-Stausee. Bei idealer Temperatur nehmen wir es gemütlich, Schatten und Sonne wechseln sich ab und wir haben eine wunderbare Sicht auf den blauen See.
An einem sonnigen Platz geniessen wir um 09:10h auf 1620 m eine Pause. Direkt vor uns ist der Lago di Luzzone. Von hier aus werfen wir einen letzten Blick zurück auf die Bergwelt, die wir in den letzten Tagen gemeinsam erlebt haben. Wir erkennen rechts den Piz Terri und den Piz di Guida. Dazwischen ist der Sattel, den wir gestern überquert haben. Links vom Piz di Guida sehen wir die Gipfel Piz Ner und Lungadera. Zwischen dem Piz Guida und Piz Ner liegt unsere Unterkunft der letzten zwei Tage, die Motterascio-Hütte.
Bald geht es zum letzten Abschnitt der Wanderung. Am Ende des Stausees führt der Wanderweg durch den 833 Meter langen Tunnel, in welchem wir das Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ singen. Danach überqueren wir den Staudamm. Diese Staumauer ist für Sportkletterer interessant, denn an dieser Mauer befindet mit 160 Metern Höhendifferenz die längste künstliche Kletterroute der Welt.
Bereits um 11 Uhr haben wir unser Wanderziel erreicht. Wir befinden uns auf 1193 m an der Busstation Ponte Semina oder genauer im Ristorante Genziana und geniessen einen wohlverdienten Trunk.
Dann geht es mit Bus und Bahn via Biasca, Bellinzona und Luzern zurück nach Grosshöchstetten. Traditionsgemäss treffen sich noch einige von uns zum gemeinsamen Nachtessen im Restaurant Sternen.
Es war eine wunderbare und unvergessliche Tourenwoche. Lieber Niklaus, wir danken dir für die perfekte Organisation und das umsichtige Durchführen.
Markus Sinniger


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