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Bergwanderung Rohrbachstein + Mittaghorn
G-Tour, Samstag 26. bis Sonntag 27. August 2017

Rundtour mit 5 Passübergängen und 3 Gipfeln

Samstag
Auf dem Viehmarktplatz waren wir erst 9 SACler, die den Weg in die Lenk unter die Räder nahmen. Auf dem Parkplatz beim Restaurant Simmenfälle kam dann aber eine ansehnliche Schar von 8 Frauen und 11 Männern zusammen! Ein 20. sollte später noch zu uns stossen.
Das Thermometer zeigte um 8 Uhr früh bereits 14°Celsius, als uns Stefan auf die anspruchsvolle Tour einstimmte. Schon kurz nach dem Abmarsch beeindruckten uns die herabstiebenden Wassermassen der Simme. Die Barbarabrücke überquerten wir durch einen belebenden Wassernebel. Am Vortag wären wir klitschnass geworden, wie uns Rosmarie und Hans zu berichten wussten, die am Ausgangspunkt in ihrem Camper eine Stunde länger schlafen konnten.
Nach einer Stunde und 300 Höhenmetern erreichten wir das Retzlibergli auf 1405 m. Die beeindruckend ergiebigen Quellen der Simme „Bi de sibe Brünne“ liessen wir rechts liegen und stiegen über die Felsbänder des Flueschafbergs, vorbei am Flueseeli, weitere 700 Höhenmeter zu unserem ersten Gipfel, der Flueseehöri hoch.
Beim Punkt 2265 überquerten wir auf zwei schmalen Stahlbrücken das herabstürzende Schmelzwasser, das vom Rezligletscher und vom Glacier de la Plaine Morte gespiesen wird. Die gewaltigen Wassermassen lassen den permanenten Gletscherschwund erahnen.
Präzis um die Mittagszeit erreichten wir das Rezligletscherseeli. In absehbarer Zeit wird dieser See die beiden mittleren Silben „gletscher leider nicht mehr verdienen! Trotzdem genossen wir die Mittagspause innerhalb der begeisternden Bergkulisse.
Weiter führte uns der rot/weiss markierte Pfad über den Tierberg zum gleichnamigen Sattel auf 2654 m. Die karge Landschaft zeigt hier ihren besonderen Reiz. Bald schon standen wir an den drei Rawilseeleni. Hier stiess Jacques zu uns, der von der Iffigenalp aufgestiegen war. Drei verwegene Biker zogen unsere Blicke auf sich, die sich am gegenüberliegenden steilen Geröllhang herunterwagten. Sie weckten Gefühle zwischen Bewunderung und Unverständnis!
Nun ging es für uns fast nur noch steil aufwärts. Die schweisstreibende Endpartie hatte es in sich. Eine dunkle Wolke hielt uns kurz vor der Hütte mit Regentropfen und sogar mit einigen Hagelkörnern zum Narren. Schweissnass, doch äusserlich trocken, erreichten wir nach 15 Uhr die Wildstrubelhütte. Roberts GPS-Gerät zeigte Erstaunliches, hatten wir doch in 6 Stunden 2033 Meter Aufstieg (!) und 322 Meter Abstieg bewältigt.
Als Sofortmassnahme waren jetzt vor allem grosse, volle Gläser gefragt, deren Inhalt wir uns bei angenehmen 20°Celsius auf der Terrasse genehmigen konnten. Infolge Wasserknappheit im Waschraum und in der Hütte beschränkte sich die anschliessende Körperhygiene auf ein „feuchtes Abstauben“, was aber dem späteren Weisswein-Apéro keinen Abbruch tat.
Trotz proppenvoller Unterkunft wurden wir von der Hüttencrew zur angegebenen Zeit mit Kartoffelstock, Hackbraten und Salat bestens verpflegt. Auch das glutenfreie Einzelmenü fand lobenden Zuspruch. Angeregte Gespräche und unterschiedliches Glück beim Jassen sorgten für einen hohen Geräuschpegel.
Zur Nachtruhe legte sich dann die eine Hälfte von uns in der weitläufigen Hütte zuoberst zuhinterst, die andere zuunterst zuhinterst. Wer komfortabler schlief, oder hier auf 2791 m auch nur döste, liess sich am folgenden Morgen nicht mit abschliessender Sicherheit feststellen.

Sonntag
Ein sehr bekömmliches Frühstück weckte unsere Lebensgeister! Die erste Herausforderung des neuen Tages war dann vielleicht schon erledigt. Der Engpass in der 70-Plätze-Hütte waren nämlich die einzigen zwei „5-Mal-Tret“-Aborte. Einen davon für kurze Zeit zu erobern, bzw. zu be--sitzen, bedeutete zuerst einmal lange anstehen.
Präzis um 07.00 Uhr standen wir Zwanzig bereit zum Abmarsch. Der Rohrbachstein erstrahlte im schönsten Morgenlicht. Das Wolkenband im Norden machte uns keine Sorgen. Stefan führte uns nun auf direktem Weg auf den Rohrbachstein. Aus der Nähe ist es ein eindrücklicher Block mit mehr als 200 m Durchmesser, dort wo er sich aus seinem Bergrücken erhebt. Schon vor 8 Uhr rückten wir vor seinem Gipfelkreuz eng zusammen, damit uns Sämi vollzählig auf die Foto brachte.
Die Rundsicht war einmalig, nur die bedenklich abgeschmolzene Ewigschnee-Fläche der Plaine Morte gab einem zu denken.
Einen beglückenden Höhepunkt schenkte uns - beim vorsichtigen Abstieg - ein Bartgeierpaar, das unmittelbar über uns seine Kreise zog. Nicht genug damit, setzte sich einer der Flieger auf einen Felsblock und pflegte sein struppiges Äusseres – war es das Weibchen bei der Morgentoilette? Der grösste Greifvogel Europas ist immer noch selten, und es ist ein Glücksfall, ihn auf so kurze Distanz beobachten zu können.
Über wegloses Geröll ging es zum Col de la Plaine Morte, wo wir einen letzten Blick in die Bergwelt des Wallis werfen konnten. Es folgte eine steile, immer noch weglose Runse. Stefan führte uns sicher über die Schlüsselstelle des heutigen Tages, hinunter auf die durchnässte Schwemmebene der Alpage du Rawil. Grosse Flächen Wollgras erfreuten den Blick. Nach einer kurzen Verschnaufpause stiegen wir über den Col de Tachaigne Pkt. 2572 auf das Mittaghorn (Tachaigne). Hier auf 2686 m bot sich uns wiederum ein schrankenloser Rundblick. Die Windstille bei 20°C erlaubte eine einstündige, vorzeitige Mittagspause, die wir gern genossen.
Nach kurzem Abstieg überschritten wir um 12 Uhr den 2429 m hohen Rawilpass, und damit nach dem Tierbergsattel, der Weisshornlücke, dem Col de la Plaine Morte und dem Col de Tachaigne den 5. Übergang unserer Rundtour. Eine Trinkpause auf dem „Stiereläger“ auf 2279m war sehr willkommen.
Nun folgten die letzten 700 Meter Abstieg über den teilweise ausgesetzten, aber perfekt angelegten Felsweg zum Talgrund. Kurz nach 15 Uhr, und wiederum nach einer 6-Stunden-Tagesleistung, erreichten wir den Talboden des Iffigbaches und damit auch das Restaurant Iffigenalp. Dank Stefans perfektem Zeitplan konnten wir uns hier ohne Zeitdruck den aufgestauten Gelüsten nach viel Flüssigem und wohlschmeckendem Gefrorenem hingeben.
Zwei Postautokurse brachten uns, mit Umsteigen am Bahnhof Lenk, wieder an den Ausgangspunkt unserer Rundwanderung.
Froh und zufrieden über die eigene Leistung, konnten wir auf zwei prächtige Bergtage zurückblicken. Möglich machte das Stefan Suter, mit seiner sorgfältigen Vorbereitung und souveränen Durchführung. Darum ein ganz herzliches Dankeschön im Namen aller!
Mit dabei waren: Edith + Ueli Gerber, Rosmarie Studer + Hans Bigler, Annemarie Zingg + Ueli Glatz, Monika Ammon-Hirt, Eliane Gassmann, Alice Gugger, Vreni Ringgenberg, Lisa Geiser, Jacques Blumer, Klaus Bühler, Werner Fankhauser, Samuel Haldimann, Fritz Hofer, Ruedi Kropf, Robert Meerstetter.
Peter Freiburghaus.

 

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